Das neue Logo der Wild Wings

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Während mein geschätzter Kollege Matthias H. aus K. die Geschehnisse rund um die Wild Wings in seinem Blog „Der schwarze Schwan“ sehr zeitnah, aber auch sehr plakativ, provokant, ja beinahe boulevardesk, im Stile des rasenden Reporters begleitet, kommt dieser Blog eher gemächlich, seriös, ja fast wochenzeitungs-qualitätsmedienhaft daher. Hier wird nicht mit Kanonenkugeln jongliert, sondern allenfalls mit Worthülsen. Und das nicht ohne Grund. Gut Ding will ja bekanntlich Weile haben. Vielleicht liegt’s aber auch nur an meinem fortgeschrittenen Alter, dass ich tempomäßig etwas hinterher hechele. Aber ich schweife ab, es geht um ein anderes Thema.

Ein neues Logo also erhitzt die Gemüter und lässt für kurze Zeit Kaderplanung und Stadionsprecher in den Hintergrund treten.

Ich muss gestehen: als ich vor einigen Wochen einen ersten Entwurf des Logos gesehen habe, musste ich mich erstmal setzen. Ich war zu dieser Zeit gerade in Italien und so half ein doppelter Espresso über den ersten Schreck hinweg. Ich begann meine wirren Gedanken zu sortieren.

Erstens. Das Logo ist handwerklich gut gemacht. Punktausschluss. Es hat eine klare Formensprache, es funktioniert farbig und schwarz-weiß und es lässt sich gut vom Icon bis zum A0-Plakat skalieren. Alles Dinge bei denen das „alte“ Logo massiv schwächelte. Und: das neue Logo eröffnet Marketing- und Merchandisingtechnisch ganz neue Möglichkeiten. Ließ sich das bisherige Logo nur bedingt auf Textilien und anderen Fanartikeln reproduzieren, so stehen mit der neuen Variante alle Möglichkeiten offen.

Aber (es gibt immer ein „aber“) natürlich war auch ich verwundert, ja schockiert, vom völligen, kompletten und radikalen Bruch mit allen Traditionen. Kein Schwan, kein 1904, kein SERC. Rums, das hat gesessen. 
Am besten wäre es gewesen, so dachte ich bei mir, sie hätten auch das „Wild Wings“ getilgt und durch einen neuen Namen ersetzt. Dann wäre der Umbruch komplett.

Der Aufschrei, der Shitstorm, der dann bei der Veröffentlichung erfolgte, war also vorhersehbar. Die Fans in der Region sind zutiefst konservativ und traditionsbewusst. Sie sehen in der Rückkehr in die DEL eine Fortsetzung der Geschichte, während die Geschäftsleitung der Wild Wings darin anscheinend einen völligen Neubeginn sieht.

Aber: all jene, die jetzt am lautesten schreien „das geht ja gar nicht“ vergessen eines: ein Logo ist nicht einfach nur eine Grafik oder ein hübsches Bildchen – ein Logo ist kondensierte Corporate Identity. Der Vorstand bzw. die Geschäftsleitung der GmbH hat eine Vision. Diese gibt sie an den Designer weiter, der dann diese abstrakte Strategie visualisiert. CI wir also zuallererst und in letzter Instanz von der Geschäftsleitung festgelegt. Der Bruch mit der Tradition ist also durch und durch gewollt. Über die Gründe kann ich nur spekulieren. Man wusste wie die Fans reagieren werden. Dessen bin ich mir sicher. Und man nahm es in Kauf.

Trotzdem und bei aller Aufregung: (1) man kann es sowieso nie allen recht machen. Auch durch die Schwenninger Fanszene zieht sich ein Graben zwischen Traditionalisten und Modernisierern. Und (2) der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Neuigkeiten begegnen wir intuitiv und reflexartig mit Skepsis und Ablehnung. Das hängt wahrscheinlich mit unserer Vergangenheit in dunklen, feuchten Höhlen zusammen, immer auf der Hut vor dem nächsten Säbelzahntiger. Damals waren Neuigkeiten selten gut. Das hat uns wohl geprägt.

Neben den Ängstlichen und den Bedenkenträgern („ob das wohl gutgeht“) gibt es aber immer auch den Besserwisser unter den Kritikern. Er posaunt laut heraus „ICH HÄTTE DAS MIT PHOTOSHOP IN FÜNF MINUTEN BESSER HINGEKRIEGT“. Und zeigt uns damit, dass er von Gestaltung und Design null bis gar keine Ahnung hat. Jeder von uns hätte den „Swoosh“ (das Häkchen) von Nike in kürzester Zeit hinkritzeln können. Hat aber keiner gemacht, weil keiner von uns die Idee dazu hatte. Nochmal: es geht um Visionen, Strategien und um Corporate Identity. Das macht man nicht in fünf Minuten. Außerdem benutzt kein Designer Photoshop, um ein Logo zu entwerfen. Nur so am Rande.

Was mir aber (schon wieder ein „aber“) sauer aufstößt ist etwas anderes, etwas, dass sich in einem einzigen Wort zusammenfassen lässt: Beliebigkeit. Dieses Logo könnte ebenso für ein texanisches Baseballteam, eine Fastfoodkette oder einen Familienfreizeitpark stehen. Reminiszenzen an Eishockey, Schwarzwald, Schwenningen? Fehlanzeige.

Und noch etwas stört mich: keine Dynamik, keine Aggressivität. Happy Wohlfühl Feeling. Wollen wir DAS den anderen Teams vermitteln? Wir sind die Guten, uns muss man einfach gern haben?

Egal, der Sturm wird sich schnell legen. Der Mensch ist wie gesagt ein Gewohnheitstier. Und er gewöhnt sich deshalb auch schnell an Veränderungen. Es wird zwar auch weithin in die eigene Faust gemeckert, aber ich bin überzeugt, die neuen Fantrikots verkaufen sich wie geschnitten Brot. Und spätestens nach dem grandiosen Auftaktsieg gegen die Mannheimer Adler haben sich alle wieder ganz doll lieb.

Einen positiven Nebeneffekt sollen wir auch nicht vergessen: beim Lizenzverkauf nach Dresden oder Freiburg kann das Logo dort problemlos weiterverwendet werden. Aber das ist wieder ein Thema für den schwarzen Schwan.

farinho

farinho

Mag Eishockey und Musik | Bloggt seit 2004

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