Playlist KW 11

Wir machen das ab jetzt wie die Sesamstrasse: Heute der Buchstabe „A“. „A“ ist ein toller Buchstabe. Viele tolle Wörter fangen mit „A“ an, wie zum Beispiel Asbest, Amalgam oder Artillerie. Mit „A“ beginnen aber auch viele Künstler die großartige Lieder geschrieben haben. Und die möchte ich euch jetzt vorstellen:


(K)ein Derby

Es begann am 13.09.2013 gegen die Adler und es endet am 07.03.2014 gegen die Adler. Die erste DEL-Saison der Wild Wings nach der Rückkehr ins Oberhaus wird morgen Geschichte sein. Nur noch ein Spiel steht an, bevor die endlos lange Sommerpause beginnt. Aber was für ein Spiel! Seit Wochen fiebert die Anhängerschaft der Wild Wings diesem Spiel entgegen, die Arena wird pickepackevoll sein, und die Fans beider Team erwarten ein spektakuläres, vor Emotionen überbordendes Derby. Gründe genug also, in die Rolle des Teufels Advokat zu schlüpfen:


Playlist KW 5

David Bowie – Space Oddity
Dido – Don’t think of me
Cruxshadows – Marilyn my bitterness
The Cure – Killin an Arab
Fanta 4 – Es wird Regen geben
FGTH – Welcome to the Pleasuredome
Wall of Voodoo – Lost weekend
Deine Lakaien – Dark star
Kid Rock – Cocky
Die Ärzte – Ich ess Blumen
Depeche Mode – World in my eyes


Shitstorm?

Rums da ist sie – die erste wirklich heftige Klatsche der Saison. Endlich – werden die ewigen Pessimisten und Schwarzseher aufatmen. Und ja, bei 11:2 gibts nun auch wirklich nicht viel schönzureden. Aber was in den einschlägigen sozialen Medien abhing, entlockt dem geneigten Leser ungläubiges Kopfschütteln. Da wurde noch während das Spiel lief der Kopf des Trainers gefordert und zum Boykott des nächsten Heimspiels aufgerufen. Da sprachen Leute, deren Hintern den ganzen Nachmittag auf dem Sofa festklebte von „Arbeitsverweigerung“ – ohne auch nur eine Sekunde des Spiels gesehen zu haben, geschweige denn vor Ort gewesen zu sein.


Pling-plingpling-pling

Kraftwerk, Die Roboter, 1978

Michael ist schuld. Michael, den alle nur “Maikel” riefen. Wiesoauchimmer. Ich war Erstklässler, er cooler Teenager. Leicht übergewichtig zwar und mit Monsterbrille auf der Nase, aber er besaß die größten Lautsprecherboxen die ich bis dato gesehen hatte. Nur das zählte. Außerdem war er mein Cousin. Schon damals.


In den sieben Jahren meines jungen Lebens hatte mich Musik nicht besonders interessiert. Wieso? Ich verstand sie schlicht und einfach nicht. Entweder waren die Texte in fremden Sprachen, oder ich verstand den Sinn nicht, auch wenn sie auf deutsch gesungen wurden. „Schenk mir eine Nacht“ was bitteschön sollte das bedeuten? Was soll ich mit einer Nacht? Ein Nachmittag wär doch viel besser. Da kann man wenigstens Fussballspielen. Das war alles Erwachsenenkram. Und der war langweilig.

Sei’s drum; wie fast jeden Sonntagmorgen besuchte mein Vater damals seine Schwester. Ich ging mit. Vielleicht konnte ich bei meinem Cousin das ein oder andere Comicheft abstauben. Er hatte alle und wenn er gut gelaunt war, schenkte er mir ab und zu eins. Yps oder Fix und Foxi, war mir egal. Immer noch besser als Petzibär.

Ich betrat also sein Zimmer, er lag auf seinem Bett und aus den riesigen Boxen drangen Klänge, wie ich sie noch nie gehört hatte. Es klang – wie soll ich sagen –kühl, künstlich, rein, richtig. Jedenfalls ganz anders, als das Zeugs, dass ich bis dahin gehört und verachtet hatte. Pling-plingpling-pling. Roboter. Pling-plingpling-pling. Ich schnappte Wortfetzen auf. Roboter, programmiert. Pling-plingpling-pling. Wow. Ich war im wahrsten Sinne elektrisiert. Noch halb in der Tür stehend fragte ich Michael was das denn sei. „Kraftwerk“, antwortete er gähnend und kratzte sich am Hintern. Kraftwerk. Was für ein Name. Sie sangen nicht von Liebe, Küssen oder geschenkten Nächten. Es ging um Technik. Um Maschinen. Das verstand ich. Das drang zu mir durch. Mein Kinderzimmer stand schließlich voll mit Fischertechnik, Playmobil und Lego. Michael überspielte mir das Lied auf eine Kassette und ich konnte es kaum erwarten bis wir wieder daheim war. Ich rannte in mein Kinderzimmer, riß die Kinderkassette (ich glaube, es war „Kimba, der weiße Löwe“) aus meinem Recorder und legte meinen neuen Schatz ein. Ich hörte das Lied einmal, zweimal, hundertmal, bis die Kassette von ständigen Spulen (es war ja nur ein Lied darauf) den Geist aufgab.

Egal, ich hatte vom süssen Nektar gekostet. Ich hatte die goldene Spur entdeckt. Einige Synapsen in meinem Kinderhirn hatten sich auf ewig fest verdrahtet. Reset unmöglich.

Danke, Cousin!


Stahlzeit, Haslach, 06.12.2013

Coverbands sind nicht jedermanns Sache und eine gewisse Skepsis ist in diesem Metier sicher nicht verkehrt. Eine Coverband? Und dann auch noch Rammstein? In einer kleinen Festhalle ganz hinten im Kinzigtal? Das klingt nicht nur skurril, das IST skurril. Aber was solls; bei schlappen 23,- Eintritt kann man eigentlich nicht viel falsch machen. Also auf nach Haslach.

Rammstein sind ja bekannt für ihre -nennen wir es einmal- ausdrucksstarken Bühnenshows, für Theaterdonner und mächtig viel Feuerwerk. Ist das überhaupt “kopierbar”? Und: wie soll das denn überhaupt in einer kleinen Halle umsetzbar sein? Zumal Stahlzeit mal eben eine “Big Show” mit ordentlich Pyrotechnik versprachen.

Die ersten Minuten des Konzerts waren dann auch entsprechend bizarr. Auf der Bühne stand Rammstein. Aber eben nicht Rammstein. Es war ein bisschen wie bei einer Aufführung der Theater-AG des Till-Lindemann-Gymasiums. Ich konnte mir ein Schmunzeln nicht verkneifen.

Doch der Funke sprang gleich bei den ersten Takten von “Links234″ auf die rammelvolle Halle über. Stahlzeit haben sich in den letzten Jahren eine treue Fangemeinde erspielt – so waren die Jungs aus Bamberg nun auch schon zum vierten Mal in Haslach. Ebenso wie wohl ein Großteil des Publikums. Man wusste also hüben wie drüben was einen erwartet.

Es war jedenfalls ein rundum gelungener Nikolausabend. Der Sound stimmte. Die Stimmung war gut. Alle Hits waren da. Und die Pyroshow hielt, was sie versprach. Die alt-ehrwürdige Stadthalle ächzte jedenfalls förmlich unter der Wucht der brachialen Gitarrenriffs genauso wie unter den meterhohen Stichflammen, Flunkenregen und Explosionen. Je länger das Konzert dauerte, desto mehr trat Rammstein-Stahlzeit-Vergleich in den Hintergrund. Die Illusion war nahezu perfekt. Vor allem Frontmann Heli Reißenweber war in Punkto Gestik, Mimik, Stimme und auch was seine Dominanz auf der Bühne betraf Till Lindemann fast ebenbürtig. Und so verwundert es nicht, dass die Ankündigung auch 2014 wiederzukommen vom Publikum begeistert gefeiert wurde.

Ein Wort noch zur Vorgruppe: Black Blitz aus München stürmten Punkt 20:00 Uhr auf die Bühne und legten los wie die Feuerwehr. Erdiger Rock mit einer leichten Bluesnote, dazu launige Ansprachen von Sänger Thomas Bauer (“Versteht’s ihr uns? -Mir kimm’ aus Bayern”, “Und jetzt unsere größten Hits – die ihr wahrscheinlich noch nie gehört habt”). Das alles hinterließ einen stimmigen und sympathischen Eindruck. Ich werd mir ihre CD auf jeden Fall zu Gemüte führen.

Aber die letztjährige Vorband Hetfield hat mir trotzdem besser gefallen. Nicht weil sie musikalisch besser waren, sondern weil die Kombination Metallica-Coverband vor Rammstein-Coverband die Skurrilität nochmals steigerte und thematisch passte wie die Faust aufs Auge.


Liebe #rp14

Nachdem es mir auf der #rp13 so gut gefallen hatte, war es klar dass ich auf 2014 wieder vor Ort sein wollte. Deshalb war die Freude groß, als vor ein paar Tagen eine Mail eintrudelte, die den Verkaufsstart für rp14 Tickets am 22.11 12:00 Uhr ankündigte.
Doch wie schon 2013 war der Ticket-Verkauf ein einziges Desaster.


Dös is an Aktschnfuim

Guns ’n‘ Roses, You could be mine, 1991

Sommer 1991. Ich hatte eben meine Ausbildung geschmissen und wartete jetzt darauf, ein Studium zu beginnen. Medieninformatik. Ich hatte zwar nur eine vage Vorstellung, was sich dahinter verbergen sollte, aber es klang nicht schlecht. Jedenfalls war bis dahin noch drei Monate Zeit und der Sommer zeigte sich von seiner besten Seite.

Für die Zeit bis zum Studienbeginn hatte ich mir dann allerdings auf “sanften” Druck meiner Eltern einen Ferienjob besorgt, was zu dieser Zeit recht unkompliziert war. Man rief bei einer der örtlichen Firmen an fragte nach einem Job. Nach kurzem Rascheln in der Leitung nuschelte die Telefondame “Montag morgen, 7.00 Uhr, Neumarkfünfzig die Stunde” in den Hörer und legte auf. Das war’s.

In der Firma wurde jeder Ferienjobber entsprechend seinen Fähigkeiten eingesetzt. Ich konnte nichts und landete folgerichtig in der Gießerei. Knopf drücken – Maschine fährt zu – warten – Maschine fährt auf – mit der Zange das frisch gegossene Zahnrad entnehmen und vorsichtig in eine Kiste legen. Überschaubar. Und unsagbar öde. Die gleiche Bewegung 10.000mal am Tag. Die Sonne brannte auf das Wellblechdach der ohnehin schon brüllend heissen, nach Metalldämpfen stinkenden Halle. Nach wenigen Minuten war ich in einer alles umfassenden Müdigkeit gefangen. Meine Augen wurden schwer und gelegentlich nickte ich im Stehen ein, sodass 3,4 Zahnräder klickend zu Boden fielen bevor ich wieder aufschreckte. Die Zeit schien still zu stehen, 50 Zahnräder später waren kaum 10 Minuten vergangen. Ich rechnete mir aus was ich jede Minute, jede Sekunde verdienen würde, nur um nicht schreiend alles hinzuschmeissen.

Um wenigstens ein bisschen Ablenkung zu haben, beobachtete die anderen Arbeiter. Sie fassten die glühend heissen Metallteile mit der bloßen Hand an und brieten sich in der Mittagspause ihr Schnitzel auf den rußgeschwärzten Zink-Öfen. Mir kamen die drei Wochen, die ich hierbleiben sollte wie eine Ewigkeit vor, uns manche von ihnen arbeiteten schon seit Jahrzehnten hier. Realitycheck 1991. Langsam verstand ich, wie gut ich es hatte und wie hart meine Eltern arbeiten mussten, nur damit ich weiter die Schulbank drücken konnte.

Punkt 15:59 stand ich an der Stempeluhr und wartete, dass die blinkende Digitalanzeige auf 16:00 sprang. FEIERABEND. Sofort stempelte ich ab und verließ fluchtartig das Firmengelände. Nur keine Minute zu lang bleiben! Wieder ein Tag geschafft.

Es war ein heißer Sommer und glücklicherweise lag das Freibad nur wenige Minuten von der Firma entfernt, sodass ich mich schon um kurz nach vier in die erfrischenden Fluten stürzen konnte.  Nach und nach trafen meine Kumpels ein, die ebenfalls um 16:00 Uhr Feierabend hatten; Martin, Hirsch, Kalle und all die anderen Vögel. Irgendeiner hatte eigentlich immer einen Kassettenrekorder dabei und so lagen wir rauchend da, und quatschten dummes Zeugs. Aber sobald das Lied dieses Sommers lief,  nickten alle still mit dem Kopf vor sich hin. Obwohl es wahrlich keine Ballade war die da aus den Boxen schepperte.

Natürlich kannte ich Guns’n’Roses schon seit Jahren. Natürlich hatte ich  ‘Appetite for Destruction’ zu Hause im Regal stehen. ‘Welcome to the Jungle’ und ‘Sweet child o’mine’ waren ganz nett, aber mehr auch nicht. Die Jungs waren eben nur ein Haufen schlecht gekleideter langhaariger Rotzlöffel, die sich redlich bemühten, sich möglichst schlecht zu benehmen.

Dann kam ‘You could be mine’. Und alles war anders. Dieses Lied war nicht nur Krach, sondern Krach mit einer geilen Melodie. Ein Lied mit einer unbändigen Energie. Ein Lied, dass den Weg in die Zukunft wies. Ein Lied das allen gefiel. Den Jungs wegen der Musik und den Mädels weil die Typen (auf einmal) supersüß-böse waren.

Und natürlich war da das Video. Es war die große Zeit vom MTV. Niemand der damals nicht dabei war, wird je verstehen was MTV für uns bedeutete. Zusammen mit den bis dahin ungeahnten Special Effects aus “Terminator 2″ ergab das etwas wirklich Neues, etwas Brilliantes. X-mal lief das Video jeden Tag und ich konnte mich gar nicht sattsehen. Coole Musik, Arnies augenzwinkernde Ironie und revolutionäre Computertechnik, dass passte einfach. Ich war begeistert vom “Gesamtpaket”, wie man heute sagen würde. Erst recht als ich las, dass Computergrafik auf dem Stundenplan meines ersten Semesters stehen würde.

So verging der Sommer langsam und gleichförmig. Tagsüber malochen, nachmittags und abends im Freibad oder im Stadtpark die lauen Abende geniessen. Und über allem schwebte Axls Gekreische. Es waren wohl die letzten Tage einer “alten” Zeit. Einer Zeit mit Wählscheibentelefonen, Walkmen und Autos ohne Katalysatoren oder Kopfstützen. Die Wiedervereinigung war zwar schon da, aber ihre Schockwellen noch nicht vollständig bis zu dieser kleinen Stadt im Schwarzwald durchgedrungen –  doch wir spüren, dass die Zeiten sich änderten. Jetzt, zwanzig Jahre später, fühlt sich diese Zwischenzeit so weit entfernt an wie die Dinosaurier. Nur “You could be mine” ist auch 2013 Teil einer jeden Playlist von mir.


Viertelfazit

Es scheint, als wäre ein bisschen der Alltag eingekehrt. Ein wenig Normalität nach den Festtagen von Köln, Wolfsburg, Berlin und Augsburg. Vier Niederlagen aus den letzten fünf Spielen, Platz 12, nur einen Punkt entfernt von der roten Laterne. Zeit also, die Euphorie im Keller zu verstauen und gegen die vielbenutzte Kiste „Meckern und Motzen“ auszutauschen? Mitnichten.


Sprachlos

Heute leider eine traurige Geschichte. Ein sehr guter Kumpel von mir ist am Sonntag gestorben. Herzinfarkt. 38 Jahre. Hinterlässt Frau und 9jährige Tochter. Soweit die Fakten. Die Tragödie dahinter lassen sie nicht im Mindesten erahnen geschweige denn erfühlen. Ein Abgrund, schwarz wie die Nacht. Beängstigend und unbegreiflich.