{"id":2221,"date":"2018-11-04T21:47:13","date_gmt":"2018-11-04T20:47:13","guid":{"rendered":"https:\/\/www.diesesinternet.de\/blog\/?p=2221"},"modified":"2019-06-03T14:10:56","modified_gmt":"2019-06-03T13:10:56","slug":"dieser-weg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diesesinternet.de\/blog\/dieser-weg\/","title":{"rendered":"Dieser Weg&#8230;"},"content":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich ja vor, nichts zu schreiben. Denn eigentlich wurde bereits alles gesagt, geschrieben und gepostet.<\/p>\n<p><!--more-->Und das &#8211; im Gegensatz zur Meinung eines Gesellschafters &#8211; in den meisten F\u00e4llen sogar durchaus sachlich und konstruktiv. Nat\u00fcrlich f\u00e4llt im Eifer des Gefechts schon mal ein unangemessenes Wort und nat\u00fcrlich trollt der ein oder andere gelangweilte Junggeselle auch gern um des Trollens Willen, aber verglichen mit der Resonanz in den sozialen Medien auf andere Vereine\/Themen\/\u2026 ging es doch insgesamt recht gesittet zu. Und als Macher eines Vereins sollte man sich immer \u00fcber die Leidenschaft seiner Anh\u00e4nger freuen.<\/p>\n<p>Letztendlich habe ich aber doch etwas geschrieben; der SERC \/ die Wild Wings haben mir \u00fcber die letzten fast drei Jahrzehnte zu viel gegeben, sich zu tief in mein Herz gegraben, als dass ich nun einfach schweigen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Ja es wurde bereits alles gesagt. Dass der Kader zu schwach ist, hat sich erst heute wieder gezeigt, als man gegen dezimierte Berliner leidenschaftlich gek\u00e4mpft und lange mitgehalten hat. Doch am Ende stand man mit leeren H\u00e4nden da. So wie schon so oft in dieser Saison. Es reicht einfach nicht.<br \/>\nNun ist ja nicht so, als w\u00e4ren wir meilenweit hinter den anderen Teams, aber es fehlt ein (oder besser zwei) Schl\u00fcsselspieler. Leader, die vorangehen, die Mannschaft mitreissen und die auch mal den Unterschied machen. \u201eDie Verantwortung auf viele Schultern verteilen\u201c nannte man es vor der Saison. Ich nenne es Milchm\u00e4dchenrechnung. Man kann aus drei Ackerg\u00e4ulen kein Ersatz f\u00fcr ein Rennpferd basteln<\/p>\n<p>Aber darum soll es \u00fcberhaupt nicht gehen. Die allt\u00e4glichen Skand\u00e4lchen und Geschichtchen, das alles soll uns heute nicht interessieren. Daf\u00fcr ist der schwarze Schwan zust\u00e4ndig. Betrachten wir die Situation aus einer h\u00f6heren, einer metaphysischen, Flugebene.<\/p>\n<p>Was ist das ureigenste Ziel eines jeden Berufssportlers? Um was dreht sich die Welt des professionellen Sports, wenn man all das bunte Lametta, all das Gerede von Tradition und echter Liebe wegl\u00e4sst?<br \/>\nRichtig. Es geht um den Erfolg. Und um nichts anderes. Die Tabelle l\u00fcgt nicht. Im Falle unseres Sports geht es darum, m\u00f6glichst viele der 156 zu vergebenen Punkte f\u00fcr sich zu verbuchen. Diese Einfachheit macht den Sport so attraktiv und so reizvoll. Es gibt nur Schwarz oder Weiss. Jeder rasierte Affe versteht das Prinzip intuitiv. Profisport ist Dschungel, ist nat\u00fcrliche Auslese, ist das Recht des St\u00e4rkeren.<br \/>\nAnders als im Hobby- oder Breitensport geht es nicht um Vergn\u00fcgen, Leibesert\u00fcchtigung oder gar Fairplay. Profisport kann nicht altruistisch oder emphatisch betrieben werden. Wer sich an der reinen Sch\u00f6nheit, der Bewegung gut trainierter Leiber auf glattem Untergrund, erfreuen will, muss in die Kunst wechseln und Hymnen oder Epen erschaffen, um die \u00c4sthetik eines perfekt ausgef\u00fchrten Handgelenkschusses in Versen oder Partituren zu verewigen. In einer professionellen Liga ist daf\u00fcr kein Platz.<\/p>\n<p>Was muss man tun um erfolgreich zu sein? Man muss dem Erfolg alles unterordnen. 7 Tage die Woche, 24 Stunden am Tag, 365 Tage im Jahr. Deshalb hat ein Olli Kahn schonmal einen Mitspieler im Training ordentlich durchgesch\u00fcttelt wenn dieser zu viel Laisser-Faire zelebrierte, deshalb tragen Skispringer Anz\u00fcge, die 0,01qm gr\u00f6\u00dfer sind als erlaubt, deshalb t\u00fcftelen die Formel 1 Teams an neuen Fl\u00fcgeln, Flossen oder was auch immer. Hauptsache es l\u00e4\u00dft sich auch nur eine zus\u00e4tzliche Millisekunde aus dem Auto kitzeln, Hauptsache der Sprung geht nur Zentimeter weiter. Profisport bedeutet sich immer am oder \u00fcber dem Limit zu bewegen.<\/p>\n<p>Vorausgesetzt man verf\u00fcgt \u00fcber gen\u00fcgend Geld, kann man Erfolg zumindest mittel- oder langfristig kaufen. Hat man kein SAP oder RedBull im R\u00fccken und ist mit einem eher schmalen Geldbeutel gestraft, muss man erfinderischer, cleverer sein als die Konkurrenz. Erfolgreich zu sein bedeutet auch, das Regelwerk nach Schwachstellen und Hintert\u00fcrchen abzuklopfen.<\/p>\n<p>Ein Hintert\u00fcrchen im Eishockey ist seit jeher die Lizenzierung sog \u201eZweiflaggenspieler\u201c. Man muss nur den angeheirateten Schwipschwager m\u00fctterlicherseits des Gro\u00dfvaters finden, der seinerzeit aus Albstadt-Tailfingen nach Winnipeg, Kanada, ausgewandert ist &#8211; und schwups, schon hat man eine ganz andere Basis f\u00fcr die Kaderplanung. Das Reservoir an halbwegs talentierten und bezahlbaren Spielern scheint jenseits des gro\u00dfen Teichs unersch\u00f6pflich. Jedenfalls sehr viel gr\u00f6\u00dfer als im fussballverseuchten Schland.<\/p>\n<p>Wenn das Reglement dieses Hintert\u00fcrchen zul\u00e4sst &#8211; dann ist das erstmal so; und dann muss mit den W\u00f6lfen heulen. Man kann es gut finden, man kann es verwerflich finden, aber sich dieses Hintert\u00fcrchens nicht zu bedienen ist grob fahrl\u00e4ssig und beraubt einen Verein eines Gro\u00dfteils seiner m\u00f6glichen Optionen. Ein 100m L\u00e4ufer bindet sich ja auch keine Kanonenkugel ans Bein nur weil ihm eines Tages in den Sinn kam, dies sei sein \u201eWeg\u201c unter all den unz\u00e4hligen Kurzstreckenl\u00e4ufern. Als Sprinter bist du entweder schnell oder du bist schnell weg von Fenster.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund ist auch der sogenannte \u201eSchwenninger Weg\u201c, dieses halbgare Konglomerat aus Selbstmitleid und Sich-den-anderen-moralisch-\u00fcberlegen-f\u00fchlen ein Holzweg. Er ist eine Geldverbrennungsmaschine. Er f\u00fchrt zu \u00fcberh\u00f6hten Geh\u00e4ltern f\u00fcr Spieler, die bestenfalls Erg\u00e4nzungsspieler sind (Stichwort Angebot und Nachfrage) und er legt willk\u00fcrliche Kriterien der Spielerverpflichtungen fest.<\/p>\n<p>Keine Frage: es ist ein ehrenvolles Ziel, sich der Nachwuchs- und Talentf\u00f6rderung zu verschreiben. Nur ist dies, ebenso wie die Weiterentwicklung der Nationalmannschaft, Aufgabe des DEB und der Liga. Es ist nicht Aufgabe der Schwenninger Wild Wings.<br \/>\nSelbst wenn die Nationalmannschaft auf Grund von zu wenigen Spieler aufgel\u00f6st werden muss, so ist das nicht unser Problem<br \/>\n(Das auch DEB auf Deutschkanadier setzt, sei an dieser Stelle nicht weiter erw\u00e4hnt)<\/p>\n<p>Im Schw\u00e4bischen gibt es den Archetypus des \u201eCleveres\u201c; ein (nicht zwingend sympathischer, Anm. des badischen Autors) Zeitgenosse, der tief in seiner Region verwurzelt ist, dem seine Traditionen, seine Sp\u00e4tzle und Kehrwochen heilig sind. Ein kleiner Mann, der sich nichts sagen l\u00e4sst, weder vom Nachbarn noch vom Kaiser von China. Einer, der sich seinem Schicksal stellt und der mit List und T\u00fccke seinen Weg geht, der den Widrigkeiten des Alltags mit immer neuen Ideen und Einf\u00e4llen trotzt &#8211; und der im entscheidenden Augenblick mit verschmitztem Grinsen ein Ass aus dem \u00c4rmel zieht. DAS w\u00e4re ein Schwenninger Weg.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eigentlich hatte ich ja vor, nichts zu schreiben. 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