{"id":2174,"date":"2017-01-08T21:18:59","date_gmt":"2017-01-08T20:18:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.diesesinternet.de\/blog\/?p=2174"},"modified":"2022-10-13T21:41:20","modified_gmt":"2022-10-13T19:41:20","slug":"onceinalifetime","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diesesinternet.de\/blog\/onceinalifetime\/","title":{"rendered":"#onceInALifetime"},"content":{"rendered":"<p>Gestern fand es also statt. Das 3. DEL Wintergame. Und das Erste mit baden-w\u00fcrttembergischer Beteiligung. Auf der Speisekarte dieses bitterkalten Samstags war also Gefl\u00fcgel angesagt. Der Chefkoch kredenzte Schwenninger Wild Wings gegen Adler Mannheim.<br \/>\n<!--more-->Das Ereignis, neudeutsch gern Event genannt, fand in der Sinsheimer Wirsol Arena statt. Wobei es nat\u00fcrlich nicht einer gewissen Ironie entbehrt, dort, wo normalerweise die Profifu\u00dfballer der TSG Hoffenheim in der Fu\u00dfballbundesliga dem runden Leder nachjagen, ein Eishockeyspiel unter dem Motto \u201eThe good old hockey game\u201c auszutragen. Schlie\u00dflich gilt die TSG sozusagen als Brutst\u00e4tte aller Retortenvereine und allen K\u00fcnstlichen. Umso mehr als die Szenerie rund um die eigentliche Eisfl\u00e4che \u2013 ein stilisierter Eisweiher- aussah, als w\u00e4re sie von der 5. Klasse der Charly-Altmann-Realschule in Albstadt-Tailfingen im Kunstunterricht von Frau Rotzwein-Nutzzopf entworfen und gebastelt worden. Ein sch\u00f6ner und sympathischer Kontrapunkt gegen all die allgemein w\u00fctende \u00dcber-Perfektionierung solcher Events. So es denn wirklich so gemeint war.<\/p>\n<p>Ansonsten gibt es an der Austragungsst\u00e4tte nat\u00fcrlich nicht viel zu m\u00e4keln. Infrastruktur und Komfort sind tiptop, alles war gut organisiert, das Ordnungspersonal freundlich und hilfsbereit und das Bier war kalt. Was bei Dauerfrost von -5 Grad aber auch keine allzu gro\u00dfe Herausforderung war.<\/p>\n<p>Nachdem sich die R\u00e4nge der beiden Fankurven bereits ab 13:00 Uhr gut gef\u00fcllt hatten begann das lange Frieren. Beziehungsweise das Warten auf den ersten Programmpunkt, der ja strenggenommen bereits der Zweite war. Das Spiel der beiden DNL Nachwuchsmannschaften von Mannheim und Bad T\u00f6lz ging recht spurlos an den meisten Besuchern vorbei. Die meisten Zuschauer waren zu diesem Zeitpunkt mit ausgiebigen Begr\u00fc\u00dfungsritualen besch\u00e4ftigt. Denn wenn sich rund 8000 Eishockeyverr\u00fcckte aus der gesamten Region Bodensee-Schwarzwald-Alb auf so engem Raum ballen findet praktisch jeder unz\u00e4hlige alte und l\u00e4ngst verschollen geglaubte Bekannte wieder. Mitten hinein in dieses pittoreske Stillleben st\u00fcrmten dann Punkt 15:30 Uhr die Guano Apes die B\u00fchne und \u2013 das Desaster nahm seinen Lauf. Ein Brei aus undefinierbarem Geknarze drang aus den eigentlich imposanten Boxent\u00fcrmen. Leise. Dumpf und nur mit M\u00fche als \u201eOpen your eyes\u201c zu identifizieren. Eine herbe Entt\u00e4uschung. Zumal die G\u00f6ttinger Band bereits nach 4 oder 5 Liedern wieder verschwanden. Schade eigentlich. Ich jedenfalls hatte mich auf die Jungs bzw. M\u00e4dels gefreut und gerne mehr davon geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Doch Schwamm dr\u00fcber. Die D\u00e4mmerung setzte ein, die R\u00e4nge f\u00fcllten sich und die beiden Teams kamen unter den pathetischen Kl\u00e4ngen des Bad Rappenauer Kurorchesters auf das Eis. Anschlie\u00dfend tr\u00e4llerte noch \u00fcberraschend der augenscheinlich runderneuerte Peter Schilling seinen unverw\u00fcstlichen Ohrwurm \u201eMajor Tom\u201c &#8211; leider ebenfalls in suboptimaler Tonqualit\u00e4t bevor es endlich losging.<\/p>\n<p>Das Spiel ist schnell erz\u00e4hlt. Bis zur 50. Minute war es ein sch\u00f6nes, faires und spannendes Spiel, wie man es sich f\u00fcr diesen Tag gew\u00fcnscht hatte. Es ging hoch und runter und die Tore fielen abwechselnd links und rechts. Bis, ja bis, die rechte Schlittschuhkufe von Jiri Hunkes zum Spielverderber wurde und einen harmlosen Flatterpuck zum vorentscheidenden 5:3 f\u00fcr die Adler ins eigene Netz abf\u00e4lschte. \u00dcber die restlichen Minuten h\u00fcllen wir den Mantel des Schweigens.<\/p>\n<p>Was den Tag zu etwas ganz Besonderem machte, war das Bewusstsein seiner Einmaligkeit. Das ein -bei allem Respekt- Dorfclub wie Schwenningen ein landesweit im Free-TV \u00fcbertragenes Spiel vor \u00fcber 25.000 Zuschauern austragen wird, das d\u00fcrfte in den n\u00e4chsten 375 Jahren eher unwahrscheinlich sein. Und das Publikum, insbesondere nat\u00fcrlich das Blau-Wei\u00df-Gekleidete, war sich dessen mehr als bewusst. So sah man allenthalben fr\u00f6hliche Gesichter, selbst Menschen, die seit der Jahrtausendwende keinen Fu\u00df mehr in ein Eisstadion gesetzt hatten, machten sich auf den beschwerlichen Weg in den Kraichgau. So war unter den Zuschauern \u00fcberall ein Herzen und Umarmen zu sehen, als handele es sich nicht um ein regul\u00e4res Eishockeyspiel, sondern um ein Klassentreffen. Um das erste seiner Art seit Jahrzehnten. Und genau deshalb bleibt trotz des um zwei Tore zu hoch ausgefallenen Ergebnisses (und nein, liebe Mannheimer Fans, niemand zweifelt daran, dass ihr die bessere Mannschaft seid und niemand hat erwartet, dass die Wild Wings euch an die Wand spielen) ein rund um positives Fazit eines einmaligen Tages. Daran kann auch die -\u00fcbriges kl\u00e4gliche- Aktion einiger Nachwuchspyromanen nichts \u00e4ndern. Es war einfach #onceInALivetime.<\/p>\n<p>Folge mir auf Twitter: <a href=\"http:\/\/twitter.com\/farinho6\">@farinho6<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gestern fand es also statt. Das 3. DEL Wintergame. Und das Erste mit baden-w\u00fcrttembergischer Beteiligung. Auf der Speisekarte dieses bitterkalten Samstags war also Gefl\u00fcgel angesagt. 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