{"id":1951,"date":"2021-10-04T18:24:00","date_gmt":"2021-10-04T16:24:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.diesesinternet.de\/blog\/?p=1951"},"modified":"2022-10-13T21:16:42","modified_gmt":"2022-10-13T19:16:42","slug":"nicklmayr-und-aschinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.diesesinternet.de\/blog\/nicklmayr-und-aschinger\/","title":{"rendered":"Nicklmayr und Aschinger"},"content":{"rendered":"<p>Es war kurz vor Ladenschluss, als Nicklmayr das Gesch\u00e4ft von Juwelier Aschinger betrat. Die normalerweise vor hektischer Gesch\u00e4ftigkeit flirrende Hauptgesch\u00e4ftsstra\u00dfe war nahezu menschenleer.<\/p>\n<p><!--more-->Nur wenige Passanten hasteten &#8211; eng an die H\u00e4userfronten gedr\u00e4ngt, um dem kalten Nieselregen wenigstens ein wenig auszuweichen &#8211; in Richtung Hauptbahnhof. Jedermann zog es nach Hause. Es war erst Ende September, aber der dichte, nasskalte &nbsp;Nebel h\u00fcllte die pittoresken Fassanden von B. in novembrige Tristesse. &nbsp;Aschinger z\u00e4hlte gerade die Tageseinnahmen w\u00e4hrend Nicklmayr einfach nur da stand und schwer atmete. \u201eBitte?\u201c fragte A. schlie\u00dflich desinteressiert. Es war ein langer Tag gewesen und er war ersch\u00f6pft. Auch er wollte schnell nach Hause, wollte den altmodischen, unbequemen Schlips lockern und sich im lodernden Schein des Kamins einen Cognac eingie\u00dfen. \u201eGeben Sie mir all Ihr Geld. Sofort\u201c sagte N. stockend. \u201eBitte?\u201c fragte A. erneut&nbsp;und sah N. \u00fcber den Rand seiner ebenso altmodischen Brille an. Alles an A. und seinem Gesch\u00e4ft war altmodisch. Die Auslagen, die Einrichtung, sogar der Geruch schien sich aus einem anderen Jahrhundert her\u00fcbergerettet zu haben. \u201eGeben Sie mir all Ihr Geld\u201c wiederholte N. \u201eNein, warten Sie&#8220; sagte N., einer pl\u00f6tzlichen Eingebung folgend, &#8222;geben Sie mir Ihre Tochter. Ja, ich will Ihre Tochter heiraten. Ich will in Ihren Palast zu Worms einziehen. Ich will Gamaschen und Manschettenkn\u00f6pfe tragen. Ich will im wei\u00dfen Bademantel mit Ihnen am Fr\u00fchst\u00fcckstisch sitzen und mir Kaffee und warmes Geb\u00e4ck aus Frankreich servieren lassen.\u201c \u201eJa, ich will Ihr Geld nicht\u201c, sagte N, berauscht von den eigenen Worten, \u201eich will Ihre Tochter heiraten\u201c. A. schaute N. stirnrunzelnd an. Er war verwirrt. Sowas hatte er in 45 Gesch\u00e4ftsjahren noch nicht erlebt. \u201eIch will auf der anderen Seite des Tresens stehen. Da, wo Sie gerade stehen.&#8220; Fuhr N. fort. &#8222;Ich will all das h\u00e4\u00dfliche Geschmeide an reiche und ebenso h\u00e4\u00dfliche dicke Weiber verkaufen und abends will ich dann nach Hause kommen und mir von Ihrer Tochter die Slipper bringen lassen.\u201c \u201eSie sind ja verr\u00fcckt\u201c stie\u00df A. hervor und sch\u00fcttelte energisch seinen Kopf. \u201eIhr Verhalten ist emp\u00f6rend und besch\u00e4mt uns beide. Und jetzt lassen Sie mich in Frieden. Ich habe Wichtiges zu tun. Ich muss ein Gesch\u00e4ft f\u00fchren. Auf Wiedersehen!\u201c. \u201eSchade\u201c N. blickte sich im Verkaufsraum um. Der matte Schein der Stra\u00dfenbeleuchtung spiegelte sich in seinem Blick wider und umgab ihn mit einer Aura der Melancholie. &#8222;Sch\u00f6n w\u00e4re es gewesen&#8220; dachte er, &#8222;wirklich sch\u00f6n. Wir h\u00e4tten uns bestimmt gut verstanden, wenn wir uns erst einmal n\u00e4her gekannt h\u00e4tten&#8220;. Dann dr\u00fcckte er ab.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es war kurz vor Ladenschluss, als Nicklmayr das Gesch\u00e4ft von Juwelier Aschinger betrat. 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