Richtig verkacken. Ein Ratgeber

Hallo Sie! Ja genau, Sie!

Sie sind seit Jahrzehnten ein mittelständisches Unternehmen und bauen irgendwelche Maschinen, Zahnräder oder „Präzisionsteile“? Sie sind ein „Hidden Champion“, halten sich für innovativ und haben erkannt, dass dieses Internetz so schnell nicht mehr weggeht? Sie wollen auf den Dititalisierungszug aufspringen und ihre Wertschöpfung digitalisieren? Dann sollen sie das unbedingt lesen.
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#ElectionDay

Puh, darauf erstmal einen Schnaps. Börps. Jetzt gehts schon wieder. Naja fast. Da geht man abends ins Bett und nach dem Aufstehen ist die Welt eine andere. Ich will mich gar nicht in feingeistigen oder ausgefeilten Analysen ergehen. Das können andere viel besser.

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#4u9525

Ich muss meine Gedanken sortieren. So viel ist passiert in den letzten Tagen. Ein Flugzeug ist abgestürzt. Mitten in Europa. Ein Flugzeug, eine Airline, mit der die meisten von uns schon geflogen sind. Die Einschläge kommen näher. Es hätte jeden von uns treffen können. Schlimm genug. Doch der Alptraum geht weiter. Der Copilot soll die Maschine absichtlich zum Absturz gebracht haben. Unfassbar. Unbegreiflich. Warumwarumwarum.

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Programmieren statt Religion

blackboard

„Heute beginnt die Zukunft“ verkündet der Lehrer voller Ehrfurcht, „ab heute rechnen wir mit Computern. Also, Paul, was gibt ein Computer plus zwei Computer?“

_________________________ (hier Platz für schallendes Gelächter)

Themawechsel. Autofahren ist ein schwieriges Unterfangen. Man muss sich nicht nur mit der Technik des Schaltens, Kuppelns, Gasgebens auskennen, man muss sich ebenso in einem komplexen System zurechtfinden, in dem man es mit unzähligen Verkehrsregeln, Glatteis, Rasern, Sonntagsfahrern und plötzlich aus dem Unterholz springenden Hirschen zu tun hat. Könnte jeder „einfach so“ in ein Auto steigen und losfahren, auf den Straßen würde wohl ein heilloses Durcheinander herrschen. Wir haben das als Gesellschaft erkannt und lassen deshalb Menschen erst Autofahren, wenn sie ein gewisses Alter erreicht haben und eine gründliche Ausbildung genossen haben.

In einem anderen Verkehrssystem (der „Datenautobahn“, um einen fast mittelalterlich anmutenden Begriff zu verwenden) hat sich diese Erkenntnis (noch) nicht durchgesetzt. Dank Smartphone und Flatrate darf hier jeder Einäugige drauflos rasen, obwohl es sich auch hier um ein komplexes System handelt, dass erst erlernt werden muss. Nicht nur unzählige Begriffe wie Browser (kein neuer Duschkopf), WiFi (keine Minisalami) oder In-App-Purchase wollen verstanden werden, nein, auch Nepper, Schlepper, Bauernfänger lauern an allen Ecken. Zum Fürchten! Wir werden alle sterben! Kein Wunder also, das dieses Internet die German Angst befeuert.

Um sich sicher im digitalen Großstadt-Dschungel bewegen zu können braucht es Wissen, Orientierung und Kompetenz. Dinge also, die zu den ureigensten Aufgaben schulischer Bildung gehören. Zu wissen, dass es keine gute Idee ist, am Strand der Dominikanischen Republik über das mobile Netz Youtube-Videos anzuschauen (Roaminggebühren) ist bestimmt nicht unwichtiger als Scheibenwischer und Blinker bedienen zu können. Wer Emails mit dem Absender „Ihre Anwaltskanzlei“ und dem Betreff „Letzte Mahnung“ öffnet, der fährt auf den Straßenverkehr übertragen wohl auch über rote Ampeln. Wie funktioniert ein WLAN-Router? Warum sollte ich besser nicht alle meine Verzeichnisse und Dateien freigeben? Und ist mir eigentlich bei Suchmaschinen der Unterschied zwischen organischer Suche und bezahlten Anzeigen klar?

Überhaupt diese komischen Suchmaschinen, allen voran Google: sie sind toll, sie sind so einfach zu bedienen, sie wissen alles. Aber sie gaukeln uns Objektivität nur vor und nehmen uns stattdessen in einer Filterbubble gefangen. Was Google nicht kennt existiert nicht. Das Wissen, dass Information nicht länger per se wertfrei sondern mit kommerziellen Interessen versehen ist, ist für jeden User essenziell.

Nicht „Glauben“ an die Allmacht von Google ist gefragt, sondern kritisches Einordnen der Resultate. Ist mir eigentlich bewusst, dass jeder Nutzer andere Suchergebnisse sieht, basierend auf seinen Vorlieben, Handlungen und Standorten? Hier kann, hier muss die schulische Ausbildung ohne wenn und aber tätig werden. Medienkompetenz ist keine hohle Phrase sondern eine Schlüsselqualifikation in allen Bereichen des (digitalen) Lebens.

Die Weltsprachen des 21. Jahrhunderts sind nicht mehr Latein oder Griechisch. Auch nicht Englisch. Sondern HTML, CSS und JavaScript. Wir können es uns also gar nicht leisten, unseren Kinder diese Dinge vorzuenthalten. Nicht nur zum deren Wohl sondern damit Deutschland nicht komplett abgehängt wird. Die „Trending Topics“ des 20. Jahrhunderts waren das Automobil, TV und Telefon. Hier war Deutschland führend. Daimler und Siemens waren auch mal Startups. Wie sieht es heute aus?

An Informatik oder Programmieren als Pflichtfach für alle Schüler führt also kein Weg vorbei. Stichwort Digital Divide. Programmieren schafft Verständnis, schafft Wissen, schafft Kompetenz. Und diese Kompetenz ist Macht. Macht über Maschinen, die wiederum Macht über Menschen ausüben. Das ist kein luftleeres Geschwurbel sondern führt uns abseits der eigentlichen Technik automatisch zu ganz konkreten ethisch-moralischen Themen: was darf ein Algorithmus? Wie gehe ich mit den gewonnenen Daten um? Wie transparent müssen Algorithmen sein? Fragt nach bei Google, fragt nach bei Facebook. Wäre es nicht sinnvoll über diese Fragen nachzudenken anstatt unseren Kindern von der ersten bis mindestens zur neunten Klasse zwei Stunden pro Woche uralte bronzezeitliche Märchen, die vor Gewalt und Sexismus nur so triefen, zu erzählen? Ist es wirklich zielführend, Schüler zu bestärken, dass bestimmte Dinge „einfach so sind“ wie sie sind? Ich will der Religion und dem Glauben gar nicht die Daseinsberechtigung absprechen (obwohl, eigentlich doch), mir ist es herzlich egal wer was „glaubt“. Ich stelle nur die Frage, ob es die richtige Richtung ist, in die wir gehen, wenn wir „Glauben“ fest im Stundenplan verankern und Informatik auf dem Niveau einer AG, also eines Privatvergnügens, eines Hobbys behandeln.

Eigentlich müssen wir viel weiter gehen. Wissen ist eine Währung. Allerdings eine mit hoher Inflationsrate. Eine Anhäufung von blankem Faktenwissen wird daher in naher Zukunft wertlos sein. Programmieren ist viel mehr als ein isoliertes Schulfach. Es müsste integraler Bestandteil jedes Faches sein. Es ist ein Werkzeug, das uns hilft Probleme zu lösen und Dinge zu verstehen. Schraubenzieher-Drehen und Nagel-Einschlagen sind ja auch keine Schulfächer. Wieso nicht die endlosen Wochen der Lektüre und Interpretation von „Kabale und Liebe“ als Blog festhalten? Warum nicht die Molekülstrukturen von Proteinen im Chemie-Unterricht per CSS-Animation visualisieren?

Die Zukunft geschieht. So oder so. Das Internet ist da und geht nicht mehr weg. Wir müssen uns entscheiden: wollen wir unsere Kinder zu ängstlichen, in Abofallen-tappende Bedenkenträger erziehen oder wollen wir ihnen das Rüstzeugs mitgeben, diese Zukunft selbst zu formen?

“Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie selbst zu gestalten.” (Willy Brandt)

Re:publica 2014

Nach der re:publica bin ich immer ganz aufgeladen mit neuen Ideen. Es schwirrt und brummt in meinem Kopf wie in einem Bienenstock. Und ich nehm mir vor, ganz viel darüber zu schreiben.

Das dauert dann aber immer einige Tage Wochen Zeit, bis sich die Gedanken etwas sortiert haben. Von dem Arsch voll Stapel Arbeit mal ganz abgesehen, der sich in diesen drei Tagen auf meinem Schreibtisch aufgetürmt hat. Außerdem muß man ja im Nachgang all die verpassten Sessions bei Youtube nachholen – was natürlich zu neuen Ideen und Gedanken führt, was das Ganze natürlich weiter verzögert 😉

Zwei Themen haben sich durch viele Vorträge und Diskussionen gezogen: Gibt es Wege der allumfassenden Überwachung zu entkommen bzw. existieren Möglichkeiten, sich dagegen zur Wehr zu setzen und – wieso ist des den allermeisten Usern (von der weniger netzaffinen Mehrheit der Bevölkerung ganz zu schweigen) so herzlich egal?

Sascha Lobo sagte sinngemäß, dass jeder Vogelschutzverein besser organisiert und mit mehr finanziellen Mitteln ausgestattet ist, als alle Internet-Interessensgruppen (die „Hobbylobby“) zusammen. Auch wenn der Vergleich ein bisschen hinkt hat der dezent frisierte Dampfplauderer natürlich nicht unrecht. Nehmen wir zum Beispiel D64, das „Zentrum für digitalen Fortschritt „. D64 ist einer dieser Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Netzpolitik und digitale Themen stärker in den Fokus zu rücken. D64 hat rund 300 Mitglieder. Bundesweit. Wie viele Mitglieder und Unterstützer hat ein BUND, ein NABU? Von Greenpeace ganz zu schweigen.

Es ist offensichtlich das die Veränderungen, das der disruptive Charakter der Digitalisierung -im Gegensatz zum Umweltschutz- bisher nicht im Bewußtsein der Allgemeinheit angekommen ist – oder das es ihr (der Allgemeinheit) schlichtweg egal ist. Wieso ist die „Szene“ nicht stärker organisiert und vernetzt? Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Immerhin habt ihr, liebe Netzgemeinde #rp14-Besucher doch alle zumindest im weitesten Sinn mit Kommunikation zu tun? Was hindert euch daran, euch stärker einzubringen und euch in einer Interessensgruppe eurer Wahl zu engagieren?

Woher kommt diese Gleichgültigkeit? Vielleicht liegt es daran, dass wir alle bisher keine Konsequenzen spüren? Überwachung hin, Überwachung her, im Alltag macht das keinen Unterschied. Umweltschutz hat die Menschen ja schließlich auch erst dann interessiert, als der Baum vor ihrer Haustür abgestorben ist.

Muß ich extra erwähnen, dass das ein gefährlicher Holzweg ist? Es ist doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der erste publikumswirksame Fall bekannt wird, bei dem eine Person aufgrund ihres Datenprofils verfolgt, verhaftet oder bestraft wird. Ob schuldig oder nicht spielt dabei keine Rolle.

Für mich ist der einzige Unterschied zwischen NSA und Stasi/Gestapo nur der, dass die NSA bisher auf die Verbreitung von Furcht und Terror verzichtet hat. Es gibt keine Internierungslager für subersive Blogger oder querdenkene Facebook-Nutzer. Zumindest weiß ich nichts davon. Aber mal ehrlich: das wäre nur ein kleiner Schritt. Dann, wenn die Menschen reale Gefahren für ihr alltägliches Leben spüren, erst dann werden sie sich wünschen, früher etwas getan zu haben. Dieses früher ist jetzt.