Richtig verkacken. Ein Ratgeber

Hallo Sie! Ja genau, Sie!

Sie sind seit Jahrzehnten ein mittelständisches Unternehmen und bauen irgendwelche Maschinen, Zahnräder oder „Präzisionsteile“? Sie sind ein „Hidden Champion“, halten sich für innovativ und haben erkannt, dass dieses Internetz so schnell nicht mehr weggeht? Sie wollen auf den Dititalisierungszug aufspringen und ihre Wertschöpfung digitalisieren? Dann sollen sie das unbedingt lesen.
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Sommernacht

Ich liebe diese schwül heißen Nächte von denen es hier bei uns nur so wenige gibt, dass man sie an einer Hand abzählen kann. Diese Nächte, in denen man nackt und bei geöffnetem Fenster im Bett liegt, der Schweiß in Strömen fließt und an Schlaf nicht zu denken ist. Wenn die feuchten Laken an einem kleben und draußen nur streitende Katzen zu hören sind, deren Miauen klingt, als weinte ein Baby. Kein Lüftchen scheint sich zu bewegen. Kein Mond und kein Stern ist in der milchigen Luft zu sehen. Es ist die Zeit zu träumen.

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Früher…

Wir sind früher zur Schule gelaufen. 12 km. Jeden Tag. Um fünf Uhr morgens. Ohne Schuhe. Im Schneesturm. Bei 20 Grad minus. Den kleinen Bruder auf den Schultern. Überall lauerte der Russe. Und wenn wir dann nach drei Stunden endlich angekommen waren, setzte es erstmal eine Tracht Prügel des Lehrers. Weil wir nicht ordentlich gekämmt waren.
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Mit alles uns schaf

Vorgestern am Kebabstand meines Vertrauens. Während ich auf meinen Teigfladen warte fällt mein Blick auf einen pizzatellergroßen Aufkleber neben der Theke. „Ein Geschenkgutschein von uns – immer eine gute Idee“. Aha.
Ich stell mir das mal bildlich vor. Hochzeitstag. Die Gattin hat sich in ihre Abendrobe gezwängt, sich mit teurem Duftwässerchen benetzt und effektvoll auf der Couch drappiert. Der Göttergatte tritt ein und sie schaut ihn mit gekonntem Augenaufschlag erwartungsvoll an. Er streckt ihr einen weißen Briefumschlag hin. Ritschratsch. Sie starrt ungläubig auf den Papierfetzen: Murat’s Palast der 1000 Döner. Gutschein über 10,-. Alles weitere will ich mir nicht ausmalen. Obwohl… bald ist wieder Hochzeitstag und ich hab noch kein Geschenk.

Fashion Cyborgs

Neulich im Bad. Ich sitz in der Wanne und seif mir genüsslich die Wampe ein, da fällt mein Blick auf das „Instyle“-Magazin meiner Frau, das da unter zig Kosmetikutensilien -über deren Verwendungszweck ich nur mutmaßen kann- auf der Ablage liegt.

Dieses Magazin, dies sei gesagt für alle Nerds und Jungesellen, ist eine Art inoffizielles Zentralorgan der weiblichen Bekleidungsindustrie. Das beinahe Quellekatalogdicke Printprodukt kommt tatsächlich mit noch weniger Text als die Bild-Zeitung aus, verbreitet dafür seitenlang die angesagtesten Outfits für die moderne Frau von heute. Ja ne is klar. Ist ja ok. Wen’s interessiert.

Was mir aber die Badeschaum-benebelten Pupillen überquellen ließ, war nicht der „redaktionelle Teil“. Der ist harmlos, belanglos, eine Art Einkaufszettel für H&M halt.

Dafür haben es die Anzeigen in sich. Die Werbung. Die Reklame. Gefühlte 98% des Machwerks sind gefüllt mit ganzseitigen Anzeigen der Branchen-Platzhirsche. Gukki, Bradda, Pruno Panani.
Die dort angepriesenen textilen Devotionalien werden meist präsentiert von fremdartigen, fuchterregenden Wesen, die nur sehr entfernt mit dem verwandt sind, was füher einmal als „Fotomodell“ bezeichnet wurde.

Was ich dort sehe läßt mir das Badewasser sauer werden. Katzenaugen, Atomdekoltee und eine Haut, gegen die jeder Babypopo wie eine zerklüftete Gebrigslandschaft aussieht. Photoshop-Zombies. Fashion Cyborgs. Die Terminatrix wirkte dagegen wie ein Mädel von Lande.

Kein Wunder also, das viele Frauen Komplexe haben und sich zu dick fühlen. Beim Vergleich mit diesen digitalen Wiedergängern kann man nur abstinken.

Mal ehrlich. Ganz unter uns: Es gibt doch wirklich genug hüsche Frauen. Wieso muss jede Fotografie bis zum kompletten Identitätsverlust retouchiert werden?

Ja ihr seid gemeint, ihr allwissenden, supercoolen Agenten, Fotografen, Modelagenturen, Zeitschriften. Ihr Latte-Macchiato-schlürfenden Blutsauger, ihr wollt uns erzählen, was „schön“ ist? Das ich nicht lache!

Ihr seid immer auf der Suche nach DEM einmaligen Gesicht – und wenn ihr es dann gefunden habt, verwandelt ihr es ratz-fatz in ein digitales Einheitsgesicht. Alle makellos, alle austauschbar. Prima. Gut gemacht. Und mein Badewasser ist mittlerweile auch kalt.

Wer wissen will, wovon ich rede, dem sei die Website Photoshopdisasters wärmstens ans Herz gelegt. Viel Spass damit!