Scherbenhaufen

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Eigentlich wollt ich ja nichts schreiben. Zuviel wurde schon gesagt, gedruckt, gebloggt. Jede Winzigkeit wurde analysiert, kommentiert und diskutiert. Jeder Satzfetzen wurde in seine Einzelteile zerlegt und auf der mit der Lupe auf der Goldwaage bewertet. Letztendlich war alles nur reine Spekulation. Kaffeesatzleserei. Schall und Rauch. Jeder zimmerte sich sein Bild nach eigenem Gusto zusammen. Es gab kaum konkrete Fakten. Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt wiedewipp.

Doch jetzt, nach all den Monaten der Spekulation und des Rätselratens lichtet sich der Nebel nun endlich. Und was da sichtbar wird sind nicht all die leichtfertig liegen gelassenen Punkte, auch nicht der verloren gegangene Torriecher von Matsumoto. Und schon gar nicht die Fitness von O’Connor. Sondern – ein respektabler Scherbenhaufen.

Dabei hatte doch alles so gut angefangen, damals im Frühling 2014. Die Premierensaison war einigermaßen glatt über die Bühne gegangen,  es gab endlich eine schlagkräftige Organisation auf der neu bezogenen Geschäftsstelle, Manager und Trainer schienen einen guten Job zu machen bei der Zusammenstellung des neuen Teams, obwohl sie bekanntermaßen schon damals keine dicken Freunde waren. Einige Neuzugänge twitterten sogar ein zärtliches „Reunited“, als wären sie zwei Verliebte und keine abgezockten Profisportler. Alle waren heiß auf die kommende Saison und freuten sich auf das was kommen würde. Pustekuchen. Bullshit. All das Gerede von harmonischer und zukunftsorientierter Zusammenarbeit war nicht das Papier wert, auf dem es gedruckt wurde. Denn soviel ist klar. Der Scherbenhaufen ist nicht über Nacht entstanden, sondern wurde schon während der letzten Saison angehäuft.

Der Fisch beginnt am Kopf zu stinken. Langsam kann man sich zusammenreimen, woher all die Unruhe rund um das Team kam. Hier wurde vielleicht am selben Strick gezogen, aber meist in verschiedene Richtungen. Denverclan reloaded.

Hätte-wenn-und-aber. Hinterher ist man immer schlauer. Wahrscheinlich wäre es besser gewesen, die jetzt hastig und zur Unzeit vollzogenen Schritte bereits im April in aller Ruhe zu gehen. Doch es scheint keinen Plan B gegeben zu haben, weder im Frühjahr noch im Oktober. Ich hatte eigentlich erwartet, dass gleichzeitig mit der Demission von Stefan Mair ein neuer Trainer bekannt gegeben würde. War ich mir doch sicher, dass die Geschäftsführung und das sportliche Management der Wild Wings im Hintergrund bereits alle notwendige Schritte geplant und veranlasst hatte. Doch erst nachdem Mair nicht mehr da war schien man sich überhaupt Gedanken zu machen, wie es denn nun weitergehen soll. Ich sitze derweil da und wundere mich. Wahrscheinlich bin ich einfach zu naiv.

Trotzallem. Bei allen Spielen, egal ob unter Mair oder Chambers, fällt das eklatante Fitnessproblem einiger Spieler auf. Wenn ich sehe wie Greentree, O’Connor oder auch Matsumoto ab Minute 35 übers Eis schleichen, dann packt mich die kalte Wut. Hört verdammt nochmal auf nach Ausreden zu suchen und macht euren Job! Und was hat dieser ominöse Fitnesscoach eigentlich gemacht? Die Qualität der Spieler ist wie sie ist, da kann der beste Trainer der Welt  maximal einige Prozentpünktchen rauskitzeln. „Aus einem Ackergaul kannst du nix mache Rennpferd“ hat einmal ein weiser jugoslawischer Übungsleiter gesagt. Aber von einem Profiteam erwarte ich ganz einfach körperliche Fitness. Und dafür ist jeder Spieler selbst verantwortlich! Scheißegal ob Trainer und Manager sich zoffen.

Ausblick. Machen wir’s kurz. Die Saison ist gelaufen.  25 Punkte stehen nach 24 Spiele auf dem Konto. Das entspricht 1,04 Punkte pro Spiel. Gehen wir von den 75 Punkten aus, die in den letzen Jahren zum Erreichen der Pre-Playoffs nötig waren, so bräuchte das Team in den Verbleibenden 28 Spielen einen Schnitt von 1,78 Punkte pro Spiel… (_____________ hier Raum für schallendes Gelächter).

Sollte die Jungs nicht eine Serie von Iserlohn’schem Ausmaß (vgl. Januar 2014) hinlegen, so ist dieses Ziel nicht mehr zu erreichen – was in meinen Augen übrigens alles andere als schlimm ist. Wie ich schon zu Saisonbeginn geschrieben hatte, bedarf es eine nahezu perfekten Saison um die  Playoffs zu erreichen. Und davon sind wir meilenweit entfernt. Aber leider ist die Erwartungshaltung im Publikum eine andere.

Was bleibt. Die Strategie, die Vision, über drei, vier Jahre sukzessive ein konkurrenzfähiges Team aufzubauen, ist erstmal grandios gescheitert. Jetzt heißt es: zurück auf Los. Es wird (wiedereinmal, wie schon so oft) einen großen Umbruch im Team geben. Soviel ich weiß haben Pätzold, Goc und Wilhelm Zweijahresverträge unterschrieben und sind damit gesetzt. Aber sonst? Ausser Danner, Hacker, Schlager, Granath und Janka sehe ich wenige Spieler, die ich vermissen würde.

Ihr vermisst die Schlusspointe? Den Wink mit dem Zaunpfahl? Ich auch. Es gibt keine. Mir ist nicht danach. Habe fertig. Gute Nacht.

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