Re:publica 2014

Nach der re:publica bin ich immer ganz aufgeladen mit neuen Ideen. Es schwirrt und brummt in meinem Kopf wie in einem Bienenstock. Und ich nehm mir vor, ganz viel darüber zu schreiben.

Das dauert dann aber immer einige Tage Wochen Zeit, bis sich die Gedanken etwas sortiert haben. Von dem Arsch voll Stapel Arbeit mal ganz abgesehen, der sich in diesen drei Tagen auf meinem Schreibtisch aufgetürmt hat. Außerdem muß man ja im Nachgang all die verpassten Sessions bei Youtube nachholen – was natürlich zu neuen Ideen und Gedanken führt, was das Ganze natürlich weiter verzögert 😉

Zwei Themen haben sich durch viele Vorträge und Diskussionen gezogen: Gibt es Wege der allumfassenden Überwachung zu entkommen bzw. existieren Möglichkeiten, sich dagegen zur Wehr zu setzen und – wieso ist des den allermeisten Usern (von der weniger netzaffinen Mehrheit der Bevölkerung ganz zu schweigen) so herzlich egal?

Sascha Lobo sagte sinngemäß, dass jeder Vogelschutzverein besser organisiert und mit mehr finanziellen Mitteln ausgestattet ist, als alle Internet-Interessensgruppen (die „Hobbylobby“) zusammen. Auch wenn der Vergleich ein bisschen hinkt hat der dezent frisierte Dampfplauderer natürlich nicht unrecht. Nehmen wir zum Beispiel D64, das „Zentrum für digitalen Fortschritt „. D64 ist einer dieser Vereine, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, Netzpolitik und digitale Themen stärker in den Fokus zu rücken. D64 hat rund 300 Mitglieder. Bundesweit. Wie viele Mitglieder und Unterstützer hat ein BUND, ein NABU? Von Greenpeace ganz zu schweigen.

Es ist offensichtlich das die Veränderungen, das der disruptive Charakter der Digitalisierung -im Gegensatz zum Umweltschutz- bisher nicht im Bewußtsein der Allgemeinheit angekommen ist – oder das es ihr (der Allgemeinheit) schlichtweg egal ist. Wieso ist die „Szene“ nicht stärker organisiert und vernetzt? Das sollte doch eigentlich selbstverständlich sein. Immerhin habt ihr, liebe Netzgemeinde #rp14-Besucher doch alle zumindest im weitesten Sinn mit Kommunikation zu tun? Was hindert euch daran, euch stärker einzubringen und euch in einer Interessensgruppe eurer Wahl zu engagieren?

Woher kommt diese Gleichgültigkeit? Vielleicht liegt es daran, dass wir alle bisher keine Konsequenzen spüren? Überwachung hin, Überwachung her, im Alltag macht das keinen Unterschied. Umweltschutz hat die Menschen ja schließlich auch erst dann interessiert, als der Baum vor ihrer Haustür abgestorben ist.

Muß ich extra erwähnen, dass das ein gefährlicher Holzweg ist? Es ist doch eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis der erste publikumswirksame Fall bekannt wird, bei dem eine Person aufgrund ihres Datenprofils verfolgt, verhaftet oder bestraft wird. Ob schuldig oder nicht spielt dabei keine Rolle.

Für mich ist der einzige Unterschied zwischen NSA und Stasi/Gestapo nur der, dass die NSA bisher auf die Verbreitung von Furcht und Terror verzichtet hat. Es gibt keine Internierungslager für subersive Blogger oder querdenkene Facebook-Nutzer. Zumindest weiß ich nichts davon. Aber mal ehrlich: das wäre nur ein kleiner Schritt. Dann, wenn die Menschen reale Gefahren für ihr alltägliches Leben spüren, erst dann werden sie sich wünschen, früher etwas getan zu haben. Dieses früher ist jetzt.

 

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