Shitstorm?

Rums da ist sie – die erste wirklich heftige Klatsche der Saison. Endlich – werden die ewigen Pessimisten und Schwarzseher aufatmen. Und ja, bei 11:2 gibts nun auch wirklich nicht viel schönzureden. Aber was in den einschlägigen sozialen Medien abhing, entlockt dem geneigten Leser ungläubiges Kopfschütteln. Da wurde noch während das Spiel lief der Kopf des Trainers gefordert und zum Boykott des nächsten Heimspiels aufgerufen. Da sprachen Leute, deren Hintern den ganzen Nachmittag auf dem Sofa festklebte von „Arbeitsverweigerung“ – ohne auch nur eine Sekunde des Spiels gesehen zu haben, geschweige denn vor Ort gewesen zu sein.

Woher kommt dieser Frust? Diese destruktive Aggressivität? Lagen sich nicht die gleichen Leute noch vor Wochenfrist taumelnd vor Freude in den Armen und sangen bzw. schrieben „wir sind stolz auf dieses Team“?

Ganz klar, die Rückkehr der Wild Wings in die DEL hat eine Menge Leute angezogen, die sich im Glanz des Erfolgs sonnen wollen, und die sobald dieser Erfolg ausbleibt zu den schärfsten Kritikern werden. Und die keine Scham haben, ihr Nicht-Wissen jedem gefragt oder ungefragt unter die Nase zu reiben. Solche Leute, ich sage ganz bewusst nicht „Fans“, gibt es überall, und man sollte sie am besten nicht allzu ernst nehmen. Nach dem nächsten Sieg ist dann wieder alles ganz toll.

Aber es wäre nicht fair, alles auf ahnungslose Erfolgsfans und Touristen zu schieben. Auch viele treue langjährige Fans schäumen heute geradezu vor Wut und Enttäuschung. Früher war das nicht anders und garantiert nicht besser, da wurde genau so viel gemeckert und gemotzt, allerdings nur im kleinen Kreis.Und kaum einer hats mitbekommen. Am Montag war der Ärger dann verraucht. Doch wir leben nunmal in digitalen Zeiten und jeder kann seinen Frust nunmal in Nullkommanix der ganzen Welt mitteilen. Und minus mal minus gibt hier ausnahmsweise nicht plus, sondern verstärkt die Empörung, die Enttäuschung nur weiter.

Im Sommer, in der Anfangseuphorie der DEL-Rückkehr, wurde trotz vieler mahnender Stimmen von etlichen Fans immer wieder von Playoffs und mehr gesprochen. Unbewusst hat sich hier eine Erwartungshaltung aufgebaut, die durch die überraschenden Anfangserfolge gegen Köln, Wolfsburg oder Augsburg weiter verstärkte.

Nun aber, da die anderen Teams die Wild Wings nicht mehr unterschätzen und dank ausführlicher Videoanalysen deren Schwächen gnadenlos aufdecken, ist so etwas wie Alltag eingekehrt. Und dieser Alltag bedeutet eben, das realistisch gesehen die Ambitionen auf die Pre-Playoffs abgehakt werden müssen. Für einen „Aufsteiger“ mit schmalem Geldbeutel ist das eigentlich normal und ganz sicher kein Beinbruch. Doch nun scheinen bei manchen Anhängern alle Dämme zu brechen. Das ist verständlich, darf aber nicht zu einem völligen Verfall der Sitten führen.

Deshalb nochmal zur Erinnerung: Wir spielen DEL. Wer hätte das vor Jahresfrist ernsthaft erwartet? Wir haben eine tolle Saison gesehen mit zum Teil begeisternden Spielen. Die Wild Wings sind das Aushängeschild einer ganzen Region und Clubs und Fans aus Berlin, Hamburg oder Nürnberg loben die Wild Wings einstimmig als Bereicherung der Liga. Das lass ich mir nicht kaputtmachen!

 

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