Was für eine Woche

Von wegen besinnliche Vorweihnachtszeit. Diese Woche hatte es in sich! Jeder Tag, jedes Türchen im Adventskalender brachte eine Überraschung, die einen staunen ließ. Stoff genug also, der darauf wartet, kommentiert zu werden.

Dienstag. „Die Schwenninger Wild Wings verpflichten Sean O’Connor„. Das ist doch mal ne Ansage. Gestern sein erster Auftritt vor heimischem Publikum. War ich der einzige, der sich an Dave Chyzowski erinnert fühlte? Gestandener DEL-Spieler. 192 cm Gardemaß. Handgelenkschuss wie andere nicht per Schlagschuss. Mit Augsburg 2010 Vizemeister. Dazu einen deutschen Pass und wahrlich kein Kind von Traurigkeit. Ich bin ehrlich gespannt ob das gut geht. Mit solchen Spielertypen ist man in VS nicht nur einmal auf die Nase gefallen? Ohne Frage wäre ein O’Connor in Topform eine Bereicherung fürs Team. Zumal die Verpflichtung schon strategisch auf die nächste Saison ausgerichtet sein dürfte. Jedenfalls erstmal „welcome to Schwenningen Mr O’Connor“!

Mittwoch. „Stürmer Matt MacKay hat seinen Vertrag bei den Schwenninger Wild Wings mit sofortiger Wirkung aufgelöst„. So stand es lapidar auf der WW-Homepage. Das läßt aufhochen und die Stirn grüblend in Falten legen. MacKay, ambitioniert, ehrgeizig, talentiert, aber der DEL (noch) nicht ganz gewachsen, schmeisst Knall auf Fall alles hin und bricht seine Zelte in Schwenningen ab – der Stadt, die für ihn mehr ist als nur ein Eishockey-Standort. Schließlich verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit hier, damals, als Vater Mark die Massen verzauberte. Wenn das mal keine Vorgeschichte hat. Es war ja auch für Außenstehende unschwer zu erkennen, dass Trainer Mair und MacKay nicht das innigste Verhältnis hatten. Man munkelt ja so einiges, im weiten Rund der Heliosarena. Das hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Auf der einen Seite ist es verständlich, dass ein Spieler, der kaum Eiszeit bekommt, unzufrieden ist, und sich nach anderen Möglichkeiten umschaut. Andererseits kann man von einem jungen Kerl, der sich in der DEL durchsetzen will, nicht erwarten, dass er eine Saison Gras bzw Eis frisst? Dass er sich durchbeisst und auch mal zähneknirschend die harte Bank akzeptiert? Dass er nicht gleich beim ersten Knatsch davonläuft? Und: glaubt er wirklich, dass es in der bayerischen Landeshauptstadt mit ihrem mit Stars und Diven gespickten Kader einfacher wird? Ich kann mir keinen rechten Reim darauf machen.

Freitag. Derby. Sang und klanglos untergegangen. So berichten es die, die dort waren. Zum ersten Mal lautes Murren unter den Fans. Niederlagen werden klaglos akzeptiert. Aber das angeblich (ich war nicht dort) wehrloses Ergeben in das Schicksal erzeugte ordentlich Druck im Hexenkessel der Bauchenberggemeinde – Druck, der auch bis Sonntag noch nicht verflogen war.

„Wir war’n beim Derby – wo wart ihr?“. Ein Transparent beim sonntäglichen Heimspiel sagt so vieles aus über die Befindlichkeiten der Zuschauer in der ausverkaufen Arena.
Und der Blutdruck stieg weiter. 0:3 nach einem desolaten ersten Drittel gegen den Tabellennachbarn aus Iserlohn. Pfiffe begleiteten das schlittschuhlaufende Personal zum Pausentee. Zum ersten Mal in dieser Spielzeit.
Das Team scheint die Pfiffe gehört zu haben – und es reagierte. Mit einem engagierten Kraftakt wurde das Spiel herumgebogen und alle hatten sich wieder lieb. Ein versöhnlicher Abschluss eines turbulenten und wohl einzigartigen Jahres, dass so viele positive Höhepunkte hatte. Ich mag mir gar nicht ausmalen, was geschehen wäre, wenn so wie im ersten Drittel weitergespielt hätte. Das nächste Heimspiel ist erst in fast zwei Wochen. Viel Zeit für Meckern, Kritisieren und Diskutieren. Zum Glück kam’s anders und so steht einigen erholsamen Weihnachtstagen nichts im Wege.

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